weißes Logo für Abfalleimer auf BSR-Orange.

Der Müll, der Kiez und die Ratten

Es ist so langweilig. Weil sich nichts ändert. Ungefähr seit Corona haben die Menschen aufgehört, ihren Müll in die Abfalleimer zu stecken. Aktuell ist der Spielplatz an der Ecke Goethe- und Sesenheimer Straße wegen Rattenbefalls geschlossen. Doch auch vorher war die Disziplin nur so mittel.

Das Verhalten der Leute wird sich so einfach nicht ändern – diese These ist wohl nicht gewagt. Also müssen andere Lösungen ausprobiert werden. Der Ansatz mit größeren Mülltonnen, wie in der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße, war vielversprechend. Aber ist es seit dem sauberer geworden?

Zeitgleich mit den größeren Mülltonnen wurden allerdings die typischen Berliner Standard-Straßenmülleimer abgebaut. Das gesamte Fassungsvermögen mag sich erhöht haben. Die Anzahl der Einwurfmöglichkeiten hat sich jedoch verringert.

In den Seitenstraßen quellen die Abfalleimer aber ohnehin nach wie vor über – jeder kennt das. Sind die Eimer voll, wird die Verantwortung für den eigenen Müll zusammen mit dem Abfall auf den Gehweg geschmissen. Es ist also ein Mix aus fehlenden Abfalleimern und fehlender Disziplin.

Gibt es Rettung?

Die Anzahl der Mülleimer ließe sich leicht erhöhen – das sollte sich Berlin gönnen. Mit 300 Euro sind die Dinger für die BSR unverständlich teuer. Eventuell würde eine europaweite Ausschreibung helfen, den Berliner „Butler“ für 150 Euro zu bekommen – das kostet er nämlich für Normalsterbliche. 1

Die BSR argumentiert erst mal, dass sie dafür weder Geld noch Kapazitäten hätten. Auch dass muss sich Berlin gönnen können. Schlappe 1.800.000.000 Euro (1,8 Milliarden) hat im September 2024 die Verlängerung der Stadtautobahn nach Treptow gekostet2 – der aktuelle Stand der Kosten könnte einen Teil der Leserschaft ängstigen.

🇯🇵 In Japan und in den Arcaden laufen den ganzen Tag Service-Kräfte herum, um auch den kleinsten Twixxel, äh Schnippsel, aufzulesen. Ja, ja, dafür ist kein Geld da – wieso eigentlich nicht? Warum klappt das in Japan?

🇸🇬 In Singapur werden keine Service-Kräfte benötigt, denn es kostet 200 Euro Bußgeld, wenn man eine Twixx-Verpackung einfach auf die Straße schmeißt. Bei Wiederholung 3000 und ab dem dritten Vergehen über 6.000 Euro Bußgeld. Außerdem wird man dazu verpflichtet, in einer orangen Weste öffentliche Plätze zu reinigen. Entsorgt man Müll aus dem Auto heraus, landet man im Knast3.

Soziale Arbeit für die Gemeinschaft würde das Verhalten der BerlinerInnen generell verbessern – es spricht daher nichts dagegen. Viele Initiativen in Berlin veranstalten bereits Müllsammelaktionen. Allerdings sind die Teilnehmenden nicht die selben, die den Dreck machen. Fällt ihnen dabei auch sofort die alte Weisheit „Kehrdienst statt Wehrdienst ein?

  1. https://www.denios.de/abfallkorb-aus-stahl-30200250101130/195526 ↩︎
  2. https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2024/09/berlin-a100-kosten-verlaengerung-ausbau-milliarden-stadtautobahn.html ↩︎
  3. https://www.tembusulaw.com/insights/littering-offences/ ↩︎

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